|
|
|
| Offener Brief an Frau BM Dr.in Claudia Schmied zu den Aussagen im "Presse"-Interview vom 23. 08. 2008 zum vorschulischen Bildungsbereich Frau
Betrifft: Ihr Interview in der Tageszeitung „Die
Presse“ vom 23. August 2008
Sehr geehrte Frau BM Dr.in Schmied ! Mit großer Verwunderung entnehmen wir einem Interview in der Tageszeitung „Die Presse“ vom 23. 08. Ihre folgende Aussage „Es wäre ideal, wenn sich ein, zwei Stunden am Tag Volksschullehrerinnen im Kindergarten mit den Kindern beschäftigen.“ Das hat uns sehr getroffen, waren wir doch bisher der Meinung, dass Sie die Bedeutung der Elementarpädagogik als eigenständigen Bildungsbereich erkannt haben. Die Forderung nach Einsetzung von LehrerInnen zur “Beschäftigung“ der Kinder im Kindergarten erweckt in elementarpädagogischen Fachkreisen Erinnerungen an längst vergangen gemeinte Zeiten, in denen die Arbeit im Kindergarten überwiegend als Betreuung- und Beaufsichtungsarbeit gesehen worden ist. Das Selbstverständnis von elementarpädagogischen Einrichtungen hat sich in den letzten Jahren entscheidend verändert. Mittlerweile ist es international unbestritten, dass der Kindergarten als Bildungseinrichtung einen wichtigen Stellenwert in der Bildungsbiografie jedes Kindes haben sollte. Die Plattform EduCare schlägt seit langem Maßnahmen zur eigenständigen und gleichwertigen Positionierung der Elementarpädagogik in der österreichischen Bildungslandschaft vor: Dazu gehören unter anderem: Die Ausbildung zur Kindergartenpädagogin muss gemeinsam mit anderen Pädagogischen Berufen im tertiären Bereich stattfinden! Als Übergang fordert die Plattform EduCare den raschen Ausbau von Weiterbildungsmaßnahmen im Sinne eines „Educational Upgradings“! Zur qualitativen Absicherung fordert die Plattform EduCare einen bundesweit einheitlichen Bildungsplan und ein Bundesrahmengesetz für den Elementarbereich. Konkretisierung: Die Plattform EduCare weist immer wieder auf die unzureichende Ausbildung der KindergartenpädagogInnen hin und fordert seit Bestehen der Pädagogischen Hochschulen den raschen Ausbau von bundesweit abgestimmten Weiterbildungsangeboten in Form von Hochschullehrgängen mit akademischem Abschluss. Dieser Forderung wurde bisher wenig Beachtung geschenkt – im Gegenteil: jene Hochschule, die als erstes dem internationalen Trend folgend einen derartigen Hochschullehrgang angeboten hat – die KPH Linz – wird diesen ab Herbst nicht mehr führen können! An vielen Pädagogischen Hochschulen finden seit dem SS 08 Lehrgänge zum Bereich der „frühen Sprachförderung“ für Lehrerinnen und KindergartenpädagogInnen zur Nachqualifizierung jener Kolleginnen, die für diesen Bereich im Kindergarten und in der Schule eingesetzt werden. Diese bereits bestehenden und modular aufgebauten Lehrgänge könnten mit geringem Aufwand in höherwertige Hochschulehrgänge für den gesamten Bereich der Elementarpädagogik ausgebaut werden und wären als Übergangslösung zur fachlichen Nachqualifizierung bestens geeignet. Die Ausbildung zur KindergartenpädagogIn muss in naher Zukunft an den Pädagogischen Hochschulen erfolgen! Die im BM:UKK ausgearbeiteten Lehrpläne der Kollegs an den Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik müssten mit jenen ebenfalls im BM:UKK ausgearbeiteten Lehrplänen der Hochschullehrgänge zusammengefügt werden. Damit wäre gewährleistet, dass die bisherige Ausbildung an der BAKIP für die zukünftige Ausbildung anrechenbar ist. Das BM:UKK muss die Verantwortung für den Elementarbereich übernehmen. Österreich hat den Anschluss an die internationale Entwicklung verpasst! Das bedeutet jedoch nicht, dass die österreichischen KindergartenpädagogInnen ihn auch verpasst haben! Die zahlreichen Angebote der einschlägigen Weiter- und Fortbildungseinrichtungen in ganz Österreich haben sich längst schon den internationalen Anforderungen angepasst und die KollegInnen haben ihr Wissen entsprechend den neuen Erkenntnissen – oft in der ohnehin spärlich bemessenen Freizeit – erweitert. Mit dem Ergebnis, dass die Öffentlichkeit nun aus dem Mund der obersten Bildungsexpertin erfährt, dass der Kindergarten zwar als Bildungseinrichtung anerkannt wird, dass Bildung jedoch nur von LehrerInnen vermittelt werden kann. Das ist für die Diskussion rund um die Aufwertung der Elementarpädagogik absolut kontraproduktiv! Wir hoffen auf weiterführende Diskussionen und Unterstützung unserer Anliegen und verbleiben mit freundlichen Grüßen Heide
Lex-Nalis
Siehe auch: Stellungnahme des ÖDKH/der BKHW zu diesem Interview
Siehe auch: Kompetenzdschungel im Österreichischen Elementarbildungsbereich http://www.plattform-educare.org/2008-05-21-Kompetenzdschungel.htm Standpunkte aller wahlwerbenden Parteien zum "Kindergarten" http://www.plattform-educare.org/11%20Fragen%20zur%20Nationalratswahl%202008.pdf Wahlversprechen positiv - Umsetzung allerdings nur mit Veränderung der Rahmenbedingungen möglich! |
Wir danken unseren Sponsoren herzlich für die wertvolle Unterstützung unserer Arbeit! |
|
|