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Gedanken zum Bildungs- und Entwicklungsverständnis in Österreich - von Mag.a Lucia Eder, Salzburg
Mag.a
Lucia Eder Tel: +43 (0) 662 / 8042 - 5601 E-Mail: lucia.eder@salzburg.gv.at
Die Ergebnisse bzw. die
Reaktionen/Diskussionen rund um die Ergebnisse der
Sprachstandsfeststellungsverfahren des vergangenen Jahres lassen in mir immer
mehr Unmut bezüglich unseres Bildungs- und Entwicklungsverständnisses aufsteigen.
Wer hat wann
versagt, ist seinen/ ihren Aufgaben und Verantwortungen in Familie,
Kindergarten, Schule; Politik nicht nachgekommen?
Insgeheim muss es wohl jede(r) erahnen, einen Beitrag zu dieser Situation geleistet zu haben. Strukturell und ganzheitlich einen Blick aus "bio-psycho-sozial-ökonomischer" Perspektive darauf zu werfen, um intervenierende Variablen zu entdecken, scheint jedoch ein unmögliches Unterfangen. Die Schule schiebt die Schuld auf den Kindergarten und die mangelnde Ausbildung von Kindern und PädagogInnen, die PädagogInnen schieben die Schuld auf die Eltern und deren mangelnde Erziehung, die Eltern schieben die Schuld auf die fehlende Zeit und auf die Politik, die Politik schiebt die Schuld auf die wirtschaftliche Lage, den politischen Partner oder das Problem der bildungsfernen bzw. anscheinend bildungsresistenten Gesellschaftsgruppen.
Für das Bildungsniveau und Leistungsniveau in der Gesellschaft sind die Schulen zuständig, also müssen dort Standards und andere Schulformen etabliert und die Ausbildung (halbherzig) reformiert werden – die Effekte sind fraglich - Lernen passiert ja nicht an Standards sofern diese die Lernsituationen nicht mitberücksichtigen. Deshalb ist es günstig,
auf das "Frühe Lernen" hinzuweisen und die Ursache für die
Fehlentwicklungen in den Kindergärten zu suchen, dort Fördermaßnahmen und
quasi neue Ausbildungen (zusätzliche Förderprogramme) zu fordern – die
Effekte sind langfristig fraglich – ein gut trainiertes Kind mag wohl einen
besseren Schulstart erzielen. Doch wird es sich ein Leben lang am "selbstständigen
Lernen" interessieren? Die Familie müsste eigentlich auch noch mehr tun und es werden Familienprogramme und Schulungen (vor allem für Randgruppen und Gruppen mit Migrationshintergrund) gefordert und als Modell den entsprechenden Gruppen vorgesetzt und übergestülpt - auch hier sind die Effekte fraglich
Maßnahmen werden "von OBEN gesetzt" (von unten/ nebenan blockiert), mit viel Einsatz und auch vordergründig viel Geld, doch mangels koordinierten Vorgehens aller Kräfte in allen Bereichen und Ebenen der Politik und Verwaltung, Interessenvertretungen und vor allem mangels Koordinationsstellen, unklaren Kompetenzen sowie Strukturen bzw. auch durch Missachtung der lokalen Bedingungen und Strukturen kann die Umsetzung nur scheitern! Was tun?
Abkehr vom „Inseltümpeln“ und ein klares Bekenntnis zum SPIEL in seiner ureigensten Bestimmung als Erkundungsaktivität und somit zur EIGENAKTIVITÄT (Sinnstiftung, Kreativität ohne vorgefertigten Lösungen, Bewegtheit, Emotionalität im positiven Sinne.....) unter fachkundiger und professioneller, beziehungs- und handlungsorientierter pädagogischer Begleitung/ Führung, die
Was heißt das für die Politik - die Wissenschaft - die Verwaltung - die handelenden PädagogInnen?
· Spielen ist Lernen dann, wenn Kinder Handlungen interessant finden, sie üben und selbst weiter entwickeln können - ZEIT HABEN · Spielen ist LERNEN dann, wenn eine Umgebung Impulse gibt aber das eigene DENKEN nicht überlagert und Interferenzen das eigentliche Integrieren in einen individuellen Sinnzusammenhang stören · Spielen ist LERNEN dann, wenn Erkenntnisse im Sozialkontakt reflektiert, widerrufen werden können/ müssen, wenn spielerisch ein gemeinsames Verständnis und eine gemeinsame Sprache/ Schrift... erarbeitet werden muss - das Kind will das von sich aus und braucht grundsätzlich das Vertrauen in sein Können · u. s. w., u. s. w. Bestätigungen für diese Argumente liefert die Neuropsychologie und Neuropädagogik laufend, auch wenn sie "nur" als Bestätigung von bereits aufmerksamen Beobachtungen bzw. auch als Klärung von Vermutungen und "learning by doing- Erkenntnissen über Effekte einzelner pädagogischer Konzepte dienen. Maßnahmen sind auf übergeordneter Ebene zu setzen, um: ·
die Reflexion des individuellen (pädagogischen)
Handelns und des individuellen Menschenbildes und Bildungsverständnisses der
mit Erziehungs- und Bildungsverantwortung betrauten Personen als professionelles
Selbstverständnis etablieren - im Team, in der politischen Diskussion. · über eine Analyse der Strukturen des gesamtösterreichischen Bildungssystems, der darin vorkommenden Ressourcen (Familie, PädagogInnen, finanzielle Mittel, u. v. m.) in den Zusammenhang mit Bedingungen (kindlichen) lebenslangen Lernens zu stellen, um vielleicht nicht die teuersten Maßnahmen aber dafür grundlegend effektive initiieren zu können. Was ist zu fordern?
Aber bitte SCHLUSS mit voreiligen Diskussionen und Missbrauch der Bildung/ der Ängste/ der Familien/ der Kinder für den schnellen Erfolg. Und BEGINN von optimistischen klaren und koordinierten Vorgehensweisen aller Beteiligten/Betroffenen! |