Bildung beginnt im Kindergarten. Was in diesem Alter versäumt wird, lässt sich nur mehr schwer nachholen. 


Der Europäische Rat hat 2002 und 2007 quantitative und qualitative Ziele für den Bildungs-  Erziehungs- und Betreuungsbereich formuliert (Barcelona-Ziele).

Die Regierung hat reagiert und den quantitativen Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen forciert. Sie gibt dafür in den kommenden 5 Jahren jeweils 70 Mio € zu unterschiedlichen Teilen an die Länder weiter, in deren Kompetenz derzeit die Kindergärten stehen.

Die qualitativen Aspekte bleiben bei dieser Summe weitgehend auf der Strecke.

Der Elementarbereich braucht Quantität und Qualität

Gefordert sind

  • leicht zugängliche und leistbare Kindergartenplätze für alle Kinder ab dem 1. Lebensjahr
  • Öffnungszeiten, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen

und

  • qualitativ hochwertige Bildungsangebote.

Qualitativer Nachholbedarf in unterschiedlichsten Bereichen

Internationale Studien weisen Österreich qualitativen Nachholbedarf nach:

  • in der Forschung
  • in der Ausbildung von ElementarpädagogInnen. Die meisten europäischen Staaten bilden ihre PädagogInnen an Universitäten oder Hochschulen aus.
  • in der Größe der Kindergartengruppen (maximal 15-20 Kinder bei über 3jährigen)
  • in der Erwachsenen/Kind-Relation (1:3 bis 1:7 je nach Alter der Kinder)
  • bei den Zeiten für Planung, Dokumentation, Vor- und Nachbereitung, Teambesprechungen, Zusammenarbeit mit Eltern

und anderen Institutionen (mindestens 10 Wochenstunden)

  • bei der Bezahlung des Personals

Bundesweit gültiger BildungsRahmenPlan lässt sich nicht umsetzen

Ab sofort gibt es einen bundesweit gültigen Bildungs-Rahmenplan für alle Kinder in elementaren  Bildungs- und –Betreuungseinrichtungen im Alter von 0 – 6 Jahren.

Die Umsetzung wird unter den vorherrschenden Bedingungen nur mangelhaft gelingen.

Der Elementarbereich ist drastisch unterfinanziert

Die Herstellung geeigneter Rahmenbedingungen für qualitativ hochwertige Bildung kostet Geld: ziemlich genau doppelt so viel, wie Österreich bisher für den Elementarbereich (0,54% von 6 % BIP, d.s. rd.1,5 Mrd €) zur Verfügung stellt.

Damit wären wir im EU-Vergleich noch immer weit hinter jenen Ländern, die der elementaren Bildung jenen Stellenwert einräumen, der den wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen entspricht (Schweden knapp 2% von 7,5 % aus).

Zudem zeigt die Verteilung der öffentlichen Gesamtausgaben für Bildung auf die verschiedenen Bereiche des Bildungswesens den geringen Stellenwert der Elementarbildung in Österreich auf (Quelle: Nationaler Bildungsbericht 2009):

27%

Tertiärbereich

24%

Sekundarstufe 1

22%

Sekundarstufe 2

19%

Primarbereich

7%

Elementarbereich

Wir brauchen eine Kindergarten – Milliarde -  Ein Bildungs-Hilfspaket

Wir haben das Geld:

Für das Banken-Hilfspaket wurden 100 Mrd veranschlagt!

15 Mrd. € als Eigenkapitalhilfen für die Banken, 75 Mrd. € als Garantien für Interbanken-Kredite. Wirksam wurden 2008 und 2009 jeweils 7,5 Mrd. €.

Investionen in den Elementarbereich versprechen über 35 Jahre hindurch eine Rendite von 7,5%. („Zum volkswirtschaftlichen Schaden nicht gelungener früher Bildung“ Forschungsinstitut für Bildung und Forschung, Köln 2005)

Wir brauchen ein Bundesrahmengesetz

  • Der Elementarbereich muss in das Bildungswesen eingegliedert werden und wie im Schulbereich gesetzlich verankerte Rahmenbedingungungen bekommen.
  • Das Dienst- und Besoldungsrecht muss an die LehrerInnen angepasst werden.

Schluss mit dem Kompetenz-Dschungel - Wir brauchen eine bundesweite Infrastruktur

Die inhaltlichen und finanziellen Forderungen zur Qualitätsanhebung in den Elementareinrichtungen liegen längst – untermauert von vielen Studien - auf den Tischen der politisch Verantwortlichen (in 4 Ministerien, bei 9 Ländern und in 2.357 Gemeinden).

Dort werden sie noch lange gut liegen, wenn die Regierung, nicht endlich dafür sorgt, dass eine überregionale und überministerielle

Steuerungs-Abteilung geschaffen wird. Eine Abteilung, die Angebot, Nachfrage und Bedürfnisse aller nationalen, regionalen und/oder lokalen Einrichtungen für kleine Kinder zusammenführt.

„Straße“ als einziger Ausweg?

Die österreichischen ElementarpädagogInnen werden sich weiterhin über die neuen Medien vernetzen und demonstrieren – gemeinsam mit den StudentInnen oder getrennt von ihnen, in Wien und in allen anderen Bundesländern.

Hintergrundinformation:

Umsetzung der Barcelona-Ziele auf dem Gebiet der Betreuungseinrichtungen für Kinder im Vorschulalter

Nationaler Bildungsbericht Österreich 2009. Graz: Leykam. 2009.

Studie „Zum Volkswirtschaftlichen Schaden der unzureichenden vorschulischen Förderung…“ von Dieter Dohmen, Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie, 2005

Vereinbarung gemäß Art. 15a B-VG über die Einführung der halbtägig kostenlosen und verpflichtenden frühen Förderung in institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen.

Bundesländerübergreifender BildungsRahmenPlan für elementare Bildungseinrichtungen in Österreich - Endfassung, August 2009

 

Bezug:

http://www.plattform-educare.org/Aktionstag%20OedKH%2021.11.2009.htm

 

Zur Person:

Mag.a Dr.in Heidemarie Lex-Nalis

Direktorin der BAKIP Wien-Ettenreichgasse i. R., Kindergarten- und Hortpädagogin; Lehrerin für musikalische Früherziehung (Rhythmik) sowie Praxis und Didaktik an Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik; Soziologin, Pädagogin, Steuerndes Mitglied der Plattform EduCare

E-Mail: Heide.Lex-Nalis@Plattform-EduCare.org

Telefon: +43 (664) 4634580

 

 

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