Der Kindergarten hat einen österreichweit gültigen BildungsRahmenPlan - seine alleinige Existenz verändert die Realität nicht: er muss auch umgesetzt werden 


Das Charlotte-Bühler-Institut Institut für praxisorientierte Kleinkindforschung wurde von Bund und Ländern damit beauftragt, in Abstimmung mit den ExpertInnen für elementare Kinderbildungs- und –betreuungseinrichtungen der Bundesländer einen BildungsRahmenPlan für elementare Bildungseinrichtungen zu erstellen, der nun nach intensiven Verhandlungen und Gesprächen fertig gestellt ist.

Trotz Länderkompetenz und unterschiedlicher Gesetzeslagen in den neun Bundesländern wurde damit eine der wichtigsten Forderungen der Plattform EduCare umgesetzt.
Ein weiteres Zeichen dafür, dass sich die österreichische Politik dazu bekennt, dass der Kindergarten die erste Bildungseinrichtung in der Bildungsbiografie jedes Kindes ist.

Der BildungsRahmenPlan ist für alle Kinder in elementaren Bildungs- und –betreuungseinrichtungen im Alter von 0 – 6 Jahren gültig und sollte ab sofort umgesetzt werden.

So weit die gute Nachricht!

Die schlechte Nachricht ist: Die bloße Existenz eines BildungsRahmenplanes verändert die Realität in den Kindergärten nicht. Er muss auch umgesetzt werden.

Und das ist unter den derzeit herrschenden Bedingungen nur sehr eingeschränkt möglich:

- 25 Kinder in der Gruppe
 - viel zu wenig Zeit für alle Arbeiten, die außerhalb der unmittelbaren Arbeit mit den Kindern geleistet werden muss (Vor- und Nachbereitungszeit)
- schlechter Verdienst der PädagogInnen
- niedriges Ausbildungsniveau im Vergleich der EU
- unzureichende Weiterbildungsmöglichkeiten
- fehlende Lehrstühle für Frühpädagogik

Der Elementarbereich ist drastisch unterfinanziert und schreibt somit die Chancenungerechtigkeit weiter fort.

Die Herstellung geeigneter Rahmenbedingungen muss vom Bund sicher gestellt werden und das kostet Geld: ziemlich genau doppelt so viel, wie Österreich bisher für den Elementarbereich zur Verfügung stellt. Damit wären wir im EU-Vergleich noch immer weit hinter jenen Ländern, die der elementaren Bildung jenen Stellenwert einräumen, der den wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen entspricht (Österreich gibt 0.54% des BIP, Schweden knapp 2% aus).

Die Verteilung der öffentlichen Gesamtausgaben für Bildung auf die verschiedenen Bereiche des Bildungswesens zeigt den geringen Stellenwert der Elementarbildung in Prozentzahlen auf (Quelle: Nationaler Bildungsbericht 2009):

27% Tertiärbereich
24% Sekundarstufe 1
22% Sekundarstufe 2
19% Primarbereich
7% Elementarbereich

Diese Relationen sind bildungspolitisch nicht vertretbar!

Alle österreichischen Kinder sind von der Unterfinanzierung betroffen.
Für Kinder aus benachteiligten Familien ist diese aber besonderes gravierend.
In einem ausreichend dotierten Elementarbereich könnten die PädagogInnen den Rahmen-Bildungsplan umsetzten und damit präventiv und ausgleichend wirken.

Der Bund muss die Verantwortung für die frühkindlichen Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsleistungen übernehmen.

Frau Staatssekretärin Marek, Frau Ministerin Heinisch-Hosek, Frau Ministerin Dr.in Claudia Schmied und Herr Minister Dr. Johannes Hahn (bzw. sein/e Nachfolger/in) sind dringend aufgerufen, ihre beherzten ersten Schritte weiter zu verfolgen und gemeinsam mit den jeweils zuständigen LandesrätInnen Taten zu einer umfassenden Reform des Elementarbildungsbereiches in Österreich folgen zu lassen.

Die Politik ist gefordert: der Elementarbereich muss bundesweit als Bildungsbereich verankert werden und die dafür notwendigen Rahmenbedingungen zur Verfügung gestellt bekommen.

Wenn dies nicht bald geschieht, sind (weitere) Proteste von PädagogInnen und Eltern vorprogrammiert.

è Der BildungsRahmenPlan zum Download: http://www.verwaltung.steiermark.at/cms/dokumente/10007327_37092671/d6185d74/BRP.pdf

è Bildung in Zahlen 2007/08 - Schlüsselindikatoren und Analysen (Erscheinungsdatum: 2/2009)

http://www.Plattform-EduCare.org/statistik_austria_bildung_in_zahlen_2007_2008_schluesselindikatoren.pdf

è Weiterführende Information:

è Siehe auch

è Die bisherigen Presse-Aussendungen der Plattform EduCare:

http://www.plattform-educare.org/Presseaussendungen.htm

Presse-Kontakt und Rückfragen:

Heide Lex-Nalis

Mag.a Dr.in Heidemarie Lex-Nalis

Direktorin der BAKIP Wien-Ettenreichgasse i. R., Kindergarten- und Hortpädagogin; Lehrbefähigung für musikalische Früherziehung, Praxis und Didaktik an Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik; Soziologin, Pädagogin, Steuerndes Mitglied der Plattform EduCare

E-Mail: Heide.Lex-Nalis@Plattform-EduCare.org

Telefon: +43 (664) 4634580

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