Ausbau der Kinderbetreuung - Erfolg oder Misserfolg? 


Investition in „Frühe Bildung“ zahlt sich aus. Darin waren sich die drei weiblichen Regierungsmitglieder - Staatssekretärin MAREK (VP), Ministerin HEINISCH-HOSEK (SP) und Ministerin SCHMIED (SP) - einig. Seit 2008 werden den Ländern zusätzliche finanzielle Mittel für die Errichtung und Qualitätssicherung von elementaren Bildungseinrichtungen zur Verfügung gestellt.

Erfreulicher Anstieg der Kinderbetreuungsplätze

Das führte österreichweit zu einem beträchtlichen Anstieg von Kindergartenplätzen und damit zur Erhöhung der Betreuungsquoten.

  • Bei den 3-Jährigen von 53,4 Prozent im Jahr 1999 auf mittlerweile 77,7 Prozent.
  • Bei den 4-Jährigen wurde in den letzten zehn Jahren eine Steigerung von 84,0 auf 93,8 Prozent verzeichnet,
  • bei den 5-Jährigen von 90,2 auf 93,9 Prozent.

Im Bundesländervergleich liegt das Burgenland bei den drei bis 5-Jährigen mit einer Betreuungsquote von 99,5 Prozent vor Niederösterreich mit 93,4 Prozent an der Spitze. Das Schlusslicht bildet Kärnten mit 81,3 Prozent. 

Bei den 0- bis 2-jährigen Kindern liegt zwar nach wie vor Wien mit einer Betreuungsquote von 26,8 Prozent voran, das Burgenland hat sich hier aber mit einer rasanten Steigerungen um 6,9 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr auf 23,5 Prozent auf Platz zwei vorgearbeitet. Am Ende der Liste findet sich hier die Steiermark mit einer Quote von 7,7 Prozent.

Ein guter Weg wurde eingeschlagen, im nächsten Schritt muss die Qualität der Betreuung verbessert werden. 

Mehr und besser ausgebildetes Personal sowie kleinere Gruppen sind notwendig, um die Bildungs- und Erziehungsziele, wie sie im neuen bundesweit gültigen Bildungs-Rahmenplan vorgesehen sind, umsetzen zu können.

Wenn nicht in die Qualität der Einrichtungen investiert wird, werden all jene Kräfte recht bekommen, die bisher schon vor zu früher „Verschulung“ als missverstandene Bildung im Kindergaren warnten und die nach wie vor die Familie als die beste Bildungseinrichtung für Kinder bis zum 5.Lebensjahr sehen.

Wenn nicht in die zukünftige Ausbildung von KindergartenpädagogInnen investiert wird, werden weiterhin Scharen von AbsolventInnen die Flucht aus dem Berufsfeld antreten und es wird zwar genügend Kindergartenplätze geben, aber kein Personal.

Die neue Wissenschaftsministerin Beatrix Karl verstärkt das bisherige weibliche Trio auf Bundesebene mit der Forderung nach Eingliederung der elementaren Bildung in das bundesweite Bildungssystem.

Für all diese Maßnahmen braucht es weitere zusätzliche finanzielle Mittel.

Überwiegend Männer bestimmen das weitere Schicksal der Kindergärten.

Die inhaltlichen und finanziellen Forderungen zur Qualitätsanhebung in den Elementareinrichtungen liegen längst – untermauert von vielen Studien - auf den Tischen der politisch Verantwortlichen:

  • in 4 Ministerien, bei vier Frauen (2 SPÖ und 2 ÖVP)
  • bei 9 Ländern, davon 1 Frau
  • in 2.357 Gemeinden, davon 4,7% Frauen.

Der Kindergarten ist Ländersache und der Großteil der öffentlichen Einrichtungen wird von den Gemeinden (98,7%) erhalten.

Die Chefs dieser Kindergärten sind die Bürgermeister.

Landeshauptleute und Bürgermeister jammern öffentlich über leere Budgetsäckel; Einsparpotential wird gesucht.

Da bietet sich der Kindergarten gut an, denn mit viel Widerstand ist nicht zu rechnen. Zu tief verwurzelt sind die Bilder von der Mutter, die ihre Kinder bis zum 5. Lebensjahr zu Hause erzieht und betreut - und vom ganztägigen Kindergarten als „Ersatzeinrichtung“ für jene Kinder, deren Mütter sich das nicht leisten können oder wollen.

Was nützt es, dass Frauen heute besser ausgebildet sind denn je, dass Wirtschaftsfachleute aus Wissenschaft und Praxis feststellen, dass die Wirtschaft es sich nicht leisten kann, auf Frauen zu verzichten und dass in zahlreichen Studienergebnissen, die Bedeutung von Früher Bildung als Schlüsselfaktor für den späteren Lern- und Lebenserfolg von Kindern belegt werden.

Erforscht ist genug – jetzt muss gehandelt werden! 

Expertisen und Studienergebnisse in großer Anzahl werden noch lange gut in den Schubladen liegen, wenn die verantwortlichen PolitikerInnen es nicht schaffen dass eine überregionale und überministerielle

Steuerungs-Abteilung für das elementare Bildungswesen geschaffen wird. Eine Abteilung, die Angebot, Nachfrage und Bedürfnisse aller nationalen, regionalen und/oder lokalen Einrichtungen für Kinder zusammenführt.

Um frühkindliche Bildung in Österreich nachhaltig in Gesellschaft, Politik und Wissenschaft zu verankern muss ein interdisziplinäres Netzwerk mit PartnerInnen aus Forschung, Praxis, Politik und Gemeinwesen aufgebaut werden.

Die Kinder dürfen nicht als Hauptverlierer der Finanzkrise dastehen!

Hintergrund:

In Österreich gab es im Berichtsjahr 2009/10 8.075 institutionelle Kinderbetreuungseinrichtungen (ohne Saisontagesheime); davon sind 4.887 Kindergärten, 1.117 Kinderkrippen, 1.186 Horte und 885 altersgemischte Betreuungseinrichtungen. Bei über 60 Prozent der Kindertagesheime sind öffentliche Gebietskörperschaften (Bund, Länder, Gemeinden) für die Erhaltung zuständig. Der überwiegende Teil der öffentlichen Einrichtungen wird von den Gemeinden (98,7%) erhalten. Der Großteil der privaten Betreuungseinrichtungen wird von Vereinen geführt (54,9%), drei von zehn von kirchlichen Organisationen. Der Rest verteilt sich auf Einrichtungen, die von Betrieben, Privatpersonen oder sonstigen Stellen erhalten werden. Mit Stichtag 15. Oktober 2009 waren bundesweit 309.491 Kinder in Kindertagesheimen eingeschrieben. Mit 209.001 Kindern war der Großteil davon in Kindergärten untergebracht, 20.767 besuchten Kinderkrippen, 50.493 Horte und 29.230 altersgemischte Kinderbetreuungseinrichtungen.

Ein durchschnittliches Kindertagesheim hat 31 Betriebstage pro Jahr geschlossen; die meisten Schließtage fallen in die Sommerferien (durchschnittlich 19,3). Knapp fünf Betriebstage ist österreichweit im Durchschnitt in den Weihnachtsferien geschlossen, knapp vier Tage in den Osterferien, zwei Tage in den Semesterferien. Nach Betreuungsformen betrachtet haben Krippen die wenigsten Schließtage pro Jahr (17,0). Kindergärten kommen im Durchschnitt auf 36,7 geschlossene Tage, Horte auf 28,8 und altersgemischte Betreuungseinrichtungen auf 19,4 Tage. Im Bundesländervergleich verzeichnet Wien mit weniger als acht Tagen pro Jahr mit Abstand die wenigsten Schließtage, der Westen Österreichs hingegen die meisten (Tirol 46,1, Vorarlberg 50,9 und Steiermark 58,7 Tage).

Beim Beginn der Öffnungszeiten zeigt sich, dass 87 Prozent der Krippen und Kindergärten im Durchschnitt bereits vor 7.30 Uhr für die Kinderbetreuung zur Verfügung stehen. In Wien öffnen zwei Drittel dieser Einrichtungen sogar schon vor 7.00 Uhr. Sechs von zehn Krippen und acht von zehn Horten haben bis mindestens 17.00 Uhr geöffnet. Bei den Kindergärten sperrt fast mehr als ein Viertel vor 14.00 Uhr zu, während knapp ein Drittel bis mindestens 17.00 Uhr geöffnet hat. Vier von zehn Kindertagesheimen bieten für zehn und mehr Stunden Kinderbetreuung an. Nur jedes zehnte Kindertagesheim hat durchschnittlich weniger als sechs Stunden pro Tag geöffnet. Im Bundesländervergleich zeigt sich, dass Wien bei allen Betreuungsformen die längsten Öffnungszeiten anbietet; 85 Prozent der Betreuungseinrichtungen haben dort zehn und mehr Stunden geöffnet, nur ein Prozent hat weniger als sechs Stunden geöffnet.

Krippen und Horte sind hauptsächlich Betreuungseinrichtungen für Kinder berufstätiger Eltern. Der Anteil von Hortkindern mit berufstätiger Mutter liegt bei 71,9 Prozent, bei Kindern in Krippen bei 65,1 und bei Kindergartenkindern bei 57,9 Prozent. Im Vergleich zur gleichaltrigen Wohnbevölkerung zeigt sich, dass 84,9 Prozent der 3- bis 5-Jährigen, die eine berufstätige Mutter haben, in Kindergärten untergebracht sind. Bei den 0- bis 2-Jährigen liegt der Wert bei 32,7 Prozent.

Betrachtet man die Entwicklung der Betreuungsquoten der 3-, 4- und 5-jährigen Kinder (den Anteil der in Kindertagesheimen betreuten Kinder, bezogen auf die gleichaltrige Wohnbevölkerung) in den letzten zehn Jahren, zeigt sich, dass bei allen drei Alterskategorien beträchtliche Anstiege zu erkennen sind. So erhöhte sich die Betreuungsquote der 3-Jährigen von 53,4 Prozent im Jahr 1999 auf mittlerweile 77,7 Prozent. Bei den 4-Jährigen wurde in den letzten zehn Jahren eine Steigerung von 84,0 auf 93,8 Prozent verzeichnet, bei den 5-Jährigen von 90,2 auf 93,9 Prozent.

è Details siehe: http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bildung_und_kultur/formales_bildungswesen/kindertagesheime_kinderbetreuung/index.html 

 

Kinderbetreuung im Bundesländervergleich

Rückfragen:

Mag.a Dr.in Heidemarie Lex-Nalis

Direktorin der BAKIP Wien-Ettenreichgasse i. R., Kindergarten- und Hortpädagogin; Lehrerin für musikalische Früherziehung (Rhythmik) sowie Praxis und Didaktik an Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik; Soziologin, Pädagogin, Steuerndes Mitglied der Plattform EduCare

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