|

| |
Kindergarten
ohne PädagogInnen?
|

|
|
Logo
Plattform EduCare
|
09.01.2008 10:30:00 - In Wiens privaten und öffentlichen Kindergärten
herrscht seit längerer Zeit akuter Personalmangel. Offene Stellen können oft
nicht besetzt werden.
Durch den Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen für Unter-3-Jährige, verstärkte
sprachliche Frühförderung im letzten Kindergartenjahr und anderer Faktoren
droht sich die personelle Situation in den Kindergärten zu verschärfen.
Gegenstrategien sind dringend gefragt.
Vertreter/innen verschiedener Trägereinrichtungen und der Plattform Educare -
ein parteiübergreifender, überkonfessioneller Zusammenschluss vieler
Einrichtungen und Experten/innen im Elementarbildungsbereich - informierten am
9. 01. 2008 im Rahmen einer Pressekonferenz über dieses Problem und zeigten Lösungsvorschläge
auf.
Faktoren, die zur Personalmisere beitragen:
Ausbildung
Die Ausbildung der Kindergartenpädagogen/innen auf der Sekundarstufe (BAKIP)
ist unzureichend.
Rund 50 Prozent der Absolventen/innen der BAKIP erkennen, dass sie mit 19 Jahren
den im Beruf gestellten Ansprüchen an Wissen und Können, aber auch an persönlicher
Reife nicht gerecht werden können und schlagen trotz abgeschlossener Ausbildung
einen anderen oder weiterführenden Berufsweg ein: das sind für Wien und Niederösterreich
im Jahr 2008 etwa 400 von ca. 800 Absolventinnen.
Viele von jenen Absolventen/innen, die sofort nach der Schule in den Beruf
einsteigen, entscheiden sich für eine halbtägige Beschäftigung im
Kindergarten, um gleichzeitig studieren zu können.
Rahmenbedingungen in den Kindergärten
Der Betreuungsschlüssel, die Gruppengröße, die Vor- und Nachbereitungszeit
die begleitende Fachberatung und Supervision als Qualitätskriterien sind in österreichischen
Kindergärten gemäß OECD-Studie Starting Strong (2006) „verbesserungswürdig“.
Eine Pädagogin (2% männlich) trägt für 25 Kinder pro Gruppe die
Verantwortung und in vielen Kindergärten steht ihr lediglich zu bestimmten
Zeiten eine Helferin zur Seite.
Kommen zusätzliche Belastungen - wie Krankenstände, Fortbildungen und dgl. -
dazu, geraten die Pädagoginnen an ihre persönliche Grenze.
Unter diesen Bedingungen ist die erforderliche Qualität der Bildung, Erziehung
und Betreuung von Kindern in Gefahr und immer mehr Pädagoginnen reagieren mit
Krankheit und Burn-out.
Seit einiger Zeit ist auch festzustellen, dass es eine immer größer werdende
Gruppe von jungen Pädagoginnen gibt, die nach realtiv kurzer Zeit im Beruf
wieder aussteigt.
Zusätzliche Aufgaben 2008
Im Jahr 2008 stehen neue, von der Plattform EduCare grundsätzlich als positiv
angesehene, jedoch personalintensive Aufgaben bevor.
Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen
in Wien und NÖ
Durch die Verkürzung der Karenzzeit
werden neue Betreuungsplätze für „Unter-3jährige“ geschaffen.
Der Ausbau des derzeitigen Angebotes von 23,8% auf die notwendigen 30% würde
bedeuten, dass in Wien rund 1.200 Plätze zusätzlich geschaffen werden, was ca.
90 Gruppen und 180 zusätzliche Pädagogen/innen erfordert.
Niederösterreich, das bisher kaum Plätze für diese Altersgruppe angeboten
hat, wird laut einer Ankündigung von Landeshauptmann Pröll bis 2010 dafür zusätzliche
300 Kindergartenpädagogen/innen einstellen.
„Verpflichtendes“ Kindergartenjahr
Im Mai 2008 findet erstmals die Sprachstanderhebung bei 4 1/2jährigen Kindern
statt.
Viele Eltern jener 5jährigen Kinder, die bisher keinen Kindergarten besuchen,
werden der Aufforderung nachkommen, ihre Kinder zur sprachlichen Förderung in
den Kindergarten zu schicken.
Wien hat ca 16.000 5-jährige Kinder, 5 % davon, d.h. 800 Kinder, besuchen
derzeit keinen Kindergarten. Diese 800 Kinder brauchen ca. 30 neue Gruppen, was
mit 45 Pädagogen/innen gleichzusetzen ist.
Verkleinerung der Gruppengröße im
Burgenland
Das Kindergartengesetz im Burgenland wird im Herbst voraussichtlich dahingehend
verändert, dass die Gruppengröße verringert wird.
Im nördlichen Burgenland herrscht jetzt bereits Personalmangel; kleinere
Gruppen brauchen mehr Personal.
Lösungsvorschlag
Sofortmaßnahmen der Trägereinrichtungen
gemeinsam mit den Pädagogischen Hochschulen und BAKIP mit Kolleg
Für die Plattform EduCare schlägt Mag.a Dr.in Heidemarie Lex-Nalis, ehemalige
Direktorin einer BAKIP in Wien, eine bereits in den 90er-Jahren erfolgreich
durchgeführte Maßnahme zur Behebung des aktuellen Personalmangels vor, die
raschest umgesetzt werden kann und zudem als erster Schritt in die Tertiärisierung
der Ausbildung zu betrachten ist.
• Die Trägereinrichtungen stellen geeignete Personen mit
Matura/Studienberechtigung (idealerweise Wiedereinsteigerinnen aus anderen
Berufen – womit auch der Arbeitsmarkt entlastet werden könnte) als „Pädagogische
Assistenten/innen“ ein.
• Die Pädagogischen Hochschulen bieten kurzfristigst Ausbildungslehrgänge
an, deren Kosten der Bund übernimmt.
• Die „Pädagogischen Assistenen/innen“ absolvieren berufsbegleitend die
Ausbildung zum/zur Kindergartenpädagogen/in und können daher ihre Arbeit
sofort aufnehmen.
• Die Ausbildung an den Pädagogischen Hochschulen findet in Kooperation mit
einer BAKIP mit Kolleg statt; damit könnte ein fließender Übergang zwischen
postsekundärem und tertiärem Ausbildungsbereich hergestellt werden.
• Die Lehrinhalte werden vom (bestehenden) Kolleg für Kindergartenpädagogik,
die Organisation (Module und die Bewertung mit ECTS) von der Pädagogischen
Hochschulen analog zur Lehrerer/innen-Ausbildung übernommen.
• Die Lehrenden kommen aus den Pädagogischen Hochschulen und aus dem Kolleg
der BAKIP.
• Grundlagenwissen aus beiden Ausbildungsbereichen und die musisch-kreativen
Lehrveranstaltungen könnten gemeinsam mit den angehenden Lehrern/innen
absolviert werden.
• Die Abschlussprüfung findet unter dem Vorsitz des Stadtschulrates statt und
entspricht vorerst analog zum Kolleg-Abschluss der Diplomprüfung der BAKIP.
• Die Anrechnung auf eine zukünftige tertiäre Ausbildung ist durch die
modulare, in ECTS bewertete Organisation gewährleistet.
Die sinngemäße Übernahme dieser Vorschläge auf andere Bundesländer bzw.
das gesamte Bundesgebiet würde eine allgemeine Entschärfung der Situation
erbringen.
|