PROTEST GEGEN DIE KÜRZUNGEN IM BILDUNGS- UND SOZIALBEREICH STEIERMARKS 


Die steirische Landesregierung ist entschlossen, im April ein Budget zu beschließen, das zu drastischen Kürzungen im Gesundheits-, Bildungs-, Sozial- und Kulturressort führen wird. Dabei haben viele Betroffene bereits einen hohen Preis für die Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre zahlen müssen. Eine Debatte darüber wird erst gar nicht zugelassen, dabei treffen die geplanten 25 % Kürzungen gerade jene am härtesten, die auf eine Unterstützung durch die Politik am meisten angewiesen wären. Einige der geplanten bzw. bereits beschlossenen Maßnahmen umfassen:

  • Kürzung der Mittel für Menschen mit Behinderung
  • Einführung von Kindergartengebühren
  • Kürzung der Mittel in der Kinder- und Jugendarbeit und -wohlfahrt
  • Existenz bedrohende Kürzungen bei zahlreichen Sozial- und Kulturinitiativen
  • Wiedereinführung der Rückzahlungspflicht (Regresses) für Angehörige bei Pflegekosten
  • Einführung des Regresses für Angehörige von EmpfängerInnen der Mindestsicherung
  • Massive Verschlechterung bei der Mindestsicherung gegenüber der Sozialhilfe
  • Verschlechterungen bei der Wohnbeihilfe

Die Plattform EduCare schließt sich dem Protest der unterschiedlichsten Organisationen in der Steiermark mit folgender Erklärung an:

Nicht einmal drei Jahre ist es her, dass mit einstimmigem Beschluss im Sonderlandtag der Gratiskindergarten in der Steiermark eingeführt worden. ÖVP und SPÖ fühlten sich als Eltern des bildungs- und sozialpolitischen Meilensteines.
Sehr richtig wurde damals argumentiert: „Durch den Gratiskindergarten schafft die Steiermark größtmögliche Chancengleichheit im Zugang zu elementarer Bildung für alle steirischen Kinder” (Frau Landesrätin Mag.a Grossmann).

Nun schafft die Steirische Landesregierung (SPÖ/ÖVP) die Beitragsfreiheit für Kindergarten und Tageseltern ab.

Der Meilenstein der Chancengleichheit im Zugang zur Bildung, wird nun gestrichen– aus „Spargründen“…

Die steirische Landesregierung setzt damit im Jahr der Bildung und zum 100. Geburtstag des internationalen Frauentages eine höchst zweifelhafte Symbolik:
Sie reduziert den Kindergarten einmal mehr auf seine Betreuungsaufgaben. Und vertraut der noch immer der weit verbreiteten Stimmung im „Wählervolk“, dass Kinder im Vorschulalter am besten bei der Mutter aufgehoben sind.

Da kann man gut die Stellung vertreten, dass 1 Jahr verpflichtend bis Mittag beitragesfrei im Kindergarten genug ist.

Da ist es nicht notwendig, sich mit gesellschaftspolitischen Änderungen in der Bevölkerungs- und Familienstruktur herumplagen. Da braucht man sich nicht an den vielen Studien orientieren, die nachweisen, dass z.B. erfolgversprechende Sprachförderung im Alter von 2 bis 4 Jahren stattfinden muss.

Sie negiert wider besseres Wissen, dass Bildung im frühesten Kindesalter beginnt!

Niemand kommt auf die Idee, bei der Pflichtschule Beiträge von den Eltern zu verlangen. Studiengebühren werden von der SPÖ nach wie vor vehement abgelehnt.

Pisa hat es uns wieder bewiesen: Österreich ist ein Land, in dem Bildungschancen vererbt werden: unser Bildungssystem behandelt Kinder aus sozial schwachen Milieus außerordentlich ungerecht.

Jede Investition in die frühe Bildung ist eine Investition in unsere Zukunft!

Mit der Einführung des Gratiskindergarten zeigte die steirische Landesregierung, dass Chancengerechtigkeit nicht nur bei Sonntagsreden verkündet wird. Sie zeigte, dass ihr bewusst ist, dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien den Kindergarten brauchen, um einen guten Start in die Schule und damit auf weitere Bildungs- und Ausbildungschancen zu bekommen und dass jeder Euro, der in Frühe Bildung investiert wird, unsere Zukunft sichert und den Wirtschaftsstandort erhält.

Eine Kostenpflicht für Kinder von 0-6 Jahren ist ungerecht!

Einsparungen im vorschulischen Bildungsbereich bedeuten sowohl einen bildungs- als auch einen sozialpolitischen Kahlschlag: unser Ziel muss eine gerechtere Gesellschaft mit Chancengleichheit für alle Kinder sein! Mit Sozialer Staffelung, wie in der Steiermark nun geplant, lässt sich das Ganze wohl leichter verkaufen – aber richtiger wird die Entscheidung damit nicht!

Plattform25Und: Halbtägiger kostenfreier Kindergarten für das letzte Kindergartenjahr geht von der Prämisse aus, das „die Mütter kochbereit an der Pforte stehen“ – „diese Symbolik ist so düster, wie der Missstand, dass föderal zugewucherte Österreich unfähig ist, ein bundesweites Kindergartengesetz mit einheitlichen Tarifen, Zeiten und Standards zu schaffen“ (Journalist des Jahres, Hubert Patterer in der Kleinen Zeitung).

Die PolitikerInnen müssen sich endlich ihrer sozialen und bildungspolitischen Verantwortung zu stellen, und nicht bei den Ärmsten der Armen, die sich nicht wehren können – den Kindern – und damit an unserer Zukunft zu sparen beginnen!

Jede Investition in die frühe Bildung ist eine Investition in unsere Zukunft!

Wir appellieren an die Öffentlichkeit, Eltern und PädagogInnen, hier gegensteuernd tätig zu werden - auch im Rahmen der Demonstration in  Graz am Freitag, 25. März 2011 statt. Treffpunkt ist 15 Uhr am Südtirolerplatz.


Aussender   Plattform EduCare
Plattform EduCare, Österreich   Postadresse:
        Krausegasse 7a/10
        1110 Wien
        ÖSTERREICH
Telefon: +43 (664) 73592265
Faxnummer: +43 (1) 7485469
E-Mail: Pressedienst@Plattform-EduCare.org
     
     
Firmenportrait   Die Plattform EduCare versteht sich als Arbeitsgemeinschaft von Pädagoginnen und Pädagogen, Trägerorganisationen, Interessensgemeinschaften sowie von Eltern und engagierten Einzelpersonen aus dem elementaren und außerschulischen Bildungsbereich

Hinter der Plattform EduCare steht keine staatliche, kirchliche, politische oder private Organisation. Sie wird getragen vom gemeinnützigen Verein zur Förderung der Elementarpädagogik. Die Koordination des Netzwerkes der Plattform EduCare wird vom Steuerteam wahrgenommen.

 

 

Sie finden die Plattform EduCare auch auf Facebook. Die Verbindung zu unserem Facebook-Auftritt ermöglicht Ihnen schnellste Information und beste Interaktion mit Gleichgesinnten.