Oktober 2020

Was gesagt werden muss …

Stellungnahme der Plattform EduCare zur Neuordnung des Kinderbildungs- und betreuungsgesetzes im Land Steiermark

Kindergartenkinder in Österreich brauchen und verdienen bestmöglich ausgebildetes Personal.

Der Personalmangel im Bereich der Elementarbildung wird immer fataler. Einige Bundesländer, wie aktuell die Steiermark, müssen sich mit Schnellkursen, Nachsichten oder weniger gut qualifiziertem Personal behelfen, um eine Schließung der Einrichtungen abzuwenden. Doch das kann langfristig keine Lösung sein. Kindergartenkinder in Österreich brauchen und verdienen bestmöglich ausgebildetes Personal damit alle Fähigkeiten der Kinder so früh wie möglich erkannt und durch altersgerechte Förderung zur Entfaltung gebracht werden können.
Die Plattform EduCare betont ausdrücklich, dass der Personalmangel nicht zu einer Herabsetzung des Ausbildungsniveaus führen darf. Die aktuellen Reaktionen auf den Personalmangel müssen unbedingt temporär sein und wären nicht notwendig, wenn es bereits – wie seit Jahren gefordert – eine Verbesserung der Rahmenbedingungen in den Einrichtungen und es eine langfristige Planung der Ausbildung gibt. Es gäbe genügend ausgebildete ElementarpädagogInnen, die auf Grund von Überforderung, schlechter Rahmenbedingungen nicht in den Beruf einsteigen wollen bzw. nach kurzer Zeit wieder aussteigen.
Was es dennoch braucht ist, eine fundierte Ausbildung der PädagogInnen und Assistenzkräfte und in weiterer Folge Fort- und Weiterbildung, in der sie ein breites Fachwissen über kindlichen Entwicklungs- und Bildungsprozesse erarbeiten. Es braucht dabei auch einen Einblick in möglichst professionell gestaltete pädagogische Praxis, die im Fort- oder Weiterbildungssetting wohlwollend-kritisch reflektiert werden kann. Dabei sollen Denk- und Erfahrungsräume eröffnet werden, in denen – neben der Erarbeitung von Fachwissen und der Bearbeitung von Praxiserfahrungen – ein selbstreflexives Thematisieren der Herausforderungen möglich ist. Vor diesen Herausforderungen stehen PädagogInnen Tag für Tag und sie sind angehalten, den eigenen Kindergarten oder die Kindergruppe als Ort auszugestalten, der die „erste Stufe des Bildungssystems“ ist.

September 2020

Was gesagt werden muss…

„Dass die Elementarpädagogik nicht im Nationalen Bildungsbericht 2021 berücksichtigt wurde, ist ein massiver Rückschritt für die Wahrnehmung und Wertschätzung der ersten Bildungsinstitution. Es ist unbestritten, dass Kindergruppen und Kindergärten wichtige Bildungsarbeit für Kinder zwischen 0 und 6 Jahren leisten. Deshalb sollte es selbstverständlich sein, dass dies auch im nationalen Bildungsbericht abgebildet wird. Darüber hinaus gibt es im Bereich frühkindliche Bildung in Österreich noch viele Forschungslücken, die auch in einem Nationalen Bildungsbericht darzustellen sind.“

September 2020

Was gesagt werden muss …

„Die Plattform EduCare setzt sich seit jeher für Bedürfnisse und Rechte von Kindern in elementaren Bildungseinrichtungen in Österreich ein. Aktuell erschüttern uns die Bilder und Nachrichten aus Griechenland wo sich tausende Kinder unter menschenunwürdigen Bedingungen in #Moria befinden. Für uns steht fest: Kindern in Not muss geholfen werden.“ #wirhabenplatz

Mai 2020

Was gesagt werden muss …

von Mag.a Martina Bienenstein, Kindergartenpädagogin, Psychologin, Psychotherapeutin (KIP)

Das Herausfordernde an dieser besonderen Zeit ist, dass wir alle nicht wissen, womit wir es genau zu tun haben, wie es sich entwickelt, welche Auswirkungen dies auf unser weiteres Leben hat…und natürlich begleitet viele die Sorge krank zu werden. Das nennen wir Krise.

Offenen Fragen wirken sich auf unsere Kinder aus. Natürlich dem Alter entsprechend unterschiedlich, aber durchaus für jedes Kind spürbar. Wir wissen, wenn wir Erwachsenen ängstlich oder unsicher sind, gefährden wir auch das Sicherheitsempfinden unsere Kinder. Dementsprechend ist es wichtig Kindern altersadäquat Informationen zu geben, Fragen zu beantworten und sich besonders der eigenen sicherheitsgebenden Rolle bewusst zu sein. Neben dem familiären Informationsmanagement ändert sich auch das Zusammenleben.
Viele Eltern schildern, dass sich die Kinder während der Krise zu Hause sehr wohl fühlen. Einige Kinder kommen jetzt in den Genuss beide Elternteile zur Verfügung zu haben. Der Tag kann ohne Zeitdruck begonnen werden, es fehlt das übliche „Alltagsmuss“. Die Attraktivität des neuen, fast abenteuerlichen Tagesverlaufs bedeutet gleichzeitig aber auch das Ende des Gewohnten. Bezugspersonen sind plötzlich nicht mehr da, ältere Kinder vermissen Freunde, haben eingeschränkte Freizeitmöglichkeiten und das soziale Leben steht Kopf . Darüber hinaus hat kein Familienmitglied mehr die gewohnten Nischen des Rückzuges und der Erholung.
Aus dieser komplexen Situation ergeben sich komplexe Herausforderungen für die Zeit danach, für den neuen, alten pädagogischen Alltag.
Die zusammengerückte Familie wieder zu verlassen ist eine erneute Trennung von den Eltern. Bei jungen Kindern wird man vielleicht mit einer neuerlichen Eingewöhnungssituation rechnen müssen. Ängstliches oder auch aggressives Verhalten in dieser Phase kennzeichnen das etwas verarbeitet wird. Sei es die Umstellung selbst oder die Bewältigung einer diffusen Bedrohung durch einen Virus der abstrakt, klein, fast unsichtbar, aber gefährlich ist. Ältere Kinder werden sich besonders über das Wiedersehen mit ihren Freunden freuen. Dennoch wird es viele Fragen geben, möglich, dass auch Unsicherheiten im Miteinander auftreten.
Dürfen wir überhaupt miteinander spielen? Ist das gefährlich? Müssen wir auf etwas aufpassen? Können wir im Kindergarten krank werden? Ist der Virus hier im Kindergarten? An wen wende ich mich, wenn ich mich unwohl fühle? Bleiben Mama und Papa gesund?
PädagogInnen die Kinder in dieser Umstellungsphase begleiten sind gefordert. Wie schon zuvor beschrieben, brauchen die Kinder besonders in Krisenzeiten eine sichere Führung, Stabilität und Halt. Pädagoginnen können das besonders gut, wenn sie sich zuvor – vielleicht sogar untereinander – mit ihrer eigenen Ängsten und Einstellungen zur Situation auseinandersetzen. Es sind darüber hinaus auch noch Tagesstrukturen neu zu entwerfen, Hygienebestimmungen umzusetzen und Maskenhandling einzuführen. Alle diese Veränderungen erfordern individuelle und neue Lösungsansätze. Die ganz sensible Handhabung der Bedürfnisse unserer Kinder ist in so außergewöhnlichen Zeiten also vielleicht noch mehr als sonst, die Leitlinie unseres Handelns.
Viel zu tun bedeutet auch viel Gutes tun zu können , um den Kindern in dieser Situation beizustehen. Für die Zeit „danach“ wird uns Offenheit, Reflexion und die direkte Kommunikation miteinander, einen guten Wiedereinstieg ermöglichen.

Mai 2020

Was gesagt werden muss …
von Petra Ferk, BA, Kindergartenleiterin, Kindergärtnerin, Hortnerin, Montessori- und Motopädagogin

 

Was macht „Corona“ mit uns ElementarpädagogInnen und was gilt es für die Zukunft zu berücksichtigen?
Diese Krise stellt uns alle vor besondere Herausforderungen! Doch sehen wir sie einmal aus einem anderen Blickwinkel – sehen wir sie als Chance! Betrachten wir diese Krise als Ausgangspunkt einer Veränderung, die mit März 2020 begonnen hat.
Und ehrlich gesagt, es ist höchst notwendig, dass ein Veränderungsprozess eingeleitet wird, um Neues entstehen zu lassen. Mithilfe von Change-Management kann dieser Wandlungsprozess strukturiert eingeleitet und geplant werden. Gewiss ist dieser Prozess von starken Dynamiken begleitet und das System gerät ordentlich ins Wanken. Aber durch Wissen, Zeit, Mut, Entschlossenheit und einer Portion Optimismus ist dieser Prozess zum Gelingen verurteilt!
Besonders den LeiterInnen von elementarpädagogischen Einrichtungen kommt hierbei eine entscheidende Rolle zu. Sind sie es doch, die diese Prozesse initiieren und begleiten müssen. Machen wir uns auf und gehen wir einen neuen Weg in der Elementarpädagogik.
Endlich müssen wir das Kind mit all seine Stärken sehen. Wir müssen uns darauf einlassen, seine kindlichen Kompetenzen und seine Resilienz zu stärken. Wir müssen die Prinzipien unseres Handelns, unsere professionelle pädagogische Haltung neu überdenken und an neue Bildungsziele anpassen. Der Weg dorthin kann nur über Beschäftigung mit der eigenen Biografie erfolgen. Selbstreflexion und Weiterbildung sind dafür die Schlüsselworte.
Schlagen wir doch einen neuen Weg in der Elementarpädagogik ein und sehen wir diese herausfordernde Zeit als willkommen an!

April 2020

Was gesagt werden muss …
Monika Rieger, Montessori-Pädagogin, Kindergarten-Leiterin und Erziehungsberaterin

Was Kinder brauchen, hat sich seit der Corona Pandemie nicht verändert, nach wie vor brauchen Kinder Liebe, Geborgenheit, Sicherheit, Struktur, Regeln und Herausforderungen um sich gesund zu entwickeln.

Was sich hingegen verändert hat, ist die Art der Betreuung. Die Bezugspersonen und Freunde aus dem Kindergarten/Kindergruppe sind weggefallen, was bleibt ist die Familie und deren Stellenwert wird dadurch umso bedeutender.
Die derzeitige Situation, hat es vielen Kindern erstmals ermöglicht, den ganzen Tag mit ihren Eltern und Geschwistern zu verbringen, und dies über Wochen. Das war und ist für Kinder und Eltern eine große Umstellung und Herausforderung.
Unabhängig davon, wie die derzeitige Situation in den einzelnen Fällen gemeistert wird, wird sie doch für fast alle als Herausforderung erlebt.
Wichtig wäre, sich trotz allem Zeit zu nehmen für einander und schöne Momente gemeinsam zu genießen. Das bewusste Erleben, also das wie, ist dabei wichtiger als das was. Singen, kochen, blödeln, … vermitteln den Kindern die Sicherheit die sie brauchen.
Viele Kinder sind sehr anpassungsfähig und gleichzeitig wissbegierig. Deshalb sollt man die aktuelle Situation jeweils kindgerecht erklären. So kann Bildung überall stattfinden.

April 2020

Was gesagt werden muss …
Mag.a Sibylle Hamann, Abgeordnete zum Nationalrat, Bildungssprecherin, Grüner Klub im Parlament
Die Bedeutung von elementaren Bildungs- und Betreuungseinrichtungen und der Peers für Kinder:
Kinder brauchen andere Kinder! Sie lernen voneinander. Sie lernen miteinander. Sie geben einander Sicherheit. Speziell, wenn es in der Familie Spannungen gibt, wenn Eltern überfordert sind, kann der Kindergarten ein wichtiger Anker der Stabilität sein.

April 2020

Was gesagt werden muss …
Bettina Wachter, Sprecherin der Plattform EduCareKinder in Zeiten von Corona
Seit Mitte März besuchen die meisten Kinder keine elementaren Bildungseinrichtungen wie Krippen, Kindergärten und Horte. Dadurch verbringen Kinder und ihre Familien den Alltag in großer räumlicher Nähe, was durchaus auch herausfordern kann.
Was macht es mit Kindern, wenn sie über einen längeren Zeitraum mit ihren Familien isoliert sind? Wenn sich Interaktionen mit gleichaltrigen Kindern auf ein Minimum reduzieren oder gar nicht mehr stattfinden und die Anregungen zu Bildung und Entwicklung durch elementare Einrichtungen wegfällt? Wenn derzeit – im Vergleich zur Schule – gar nicht absehbar ist, ab wann und unter welchen Bedingungen Kinder wieder die Krippe, den Kindergarten oder Hort besuchen können?
Brauchen wir eine Quarantäne-Pädagogik?
Wir sprechen mit Expert*innen darüber!
Demnächst hier.

April 2019

Was gesagt werden muss …

Margit Lindinger MSc MBA, Pädagogische Mitarbeiterin der PHOÖ, Leiterin des Gemeindekindergarten Alkoven:

Aktive, argumentierende und einfordernde GestalterInnen einer professionellen Praxis oder wie kann aktives Leadership gelingen?
Wie kommt es zu einem leitenden Professionsverständnis, das die Verantwortung der Führungskraft, Qualitätskultur im System voranzutreiben als selbstverständlich betrachtet und sich dabei seiner eigenen Wertehaltung mitsamt der damit einhergehenden Vorbildwirkung bewusst ist? Einem pädagogischen Selbstverständnis, das Innovation, Querdenken, Entwicklung, Reflexion, Evaluierung sowie die Bereitschaft zur Erweiterung des fachlichen Wissens als Grundlage, ja als Schlüsselposition leitenden Handelns erkennt?
In der Publikation „KiTa-Leitung als Schlüsselposition, Erfahrungen und Orientierungen von Leitungskräften in Kindertageseinrichtungen“, der Bertelsmann Stiftung, I. Nentwig-Gesemann, K. Nicolai, L.Köhler, 2016, die unter nachfolgendem Link kostenlos downloadbar ist, werden Leitungen des Typus Fürsorglichkeit/Management/Leadership, durchleuchtet und analysiert.
Das Fazit beschreibt, dass deutliche Professionalisierungstendenzen immer dann zutage treten, wenn Leitungskräfte fachlich begründet und eigenverantwortlich agieren und argumentieren. Wenn sie selbst Prioritäten setzen und das dem Träger gegenüber vertreten und im Sinne eines partizipativen Führungsstils Verantwortlichkeiten an das Team delegieren, mit ihm teilen, wenn sie beginnen, achtsam mit den eigenen und den Ressourcen des Teams umzugehen, und sich fachpolitisch für den eigenen Berufsstand engagieren.

April 2019

Was gesagt werden muss …
Michaela Hajszan, Charlotte Bühler Institut

Was ist eigentlich den Kindern wichtig im Kindergarten?
Eine aktuelle deutsche Studie zur Qualität im Kindergarten (Nentwig-Gesemann, Walther & Thedinga, 2017) lässt die Kinder selbst zu Wort kommen: Was finden sie gut im Kindergarten, wo halten sie sich am liebsten auf, was möchten sie verändern? Kinder möchten einer Gemeinschaft angehören und sich zugleich als individuell und einzigartig wertgeschätzt fühlen, sie möchten die Welt erkunden, schwierige Fragen klären und sich in ihrem Können bestärkt erleben, und es ist ihnen wichtig, sich zu beteiligen und mitzuentscheiden.
Die Perspektive der Kinder kann als konkreter Auftrag an Pädagog*innen gelesen werden, einen Bildungsraum von hoher Qualität zu gestalten, der den Bedürfnissen der Kinder gerecht wird. Zugleich ist damit ein Appell an bildungspolitische Entscheidungsträger*innen verbunden, Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine entsprechende Bildungsarbeit unterstützen.

März 2019

Was gesagt werden muss …

Mag.a Gabriele Bäck, Lehrende an der Bafep 10, Koordination Elementare Bildung im Fortbildungsinstitut der KPH Wien/Krems, Geschäftsführerin Charlotte Bühler Institut

„Jeder Mensch ist dazu bestimmt, ein Erfolg zu sein, und die Welt ist dazu bestimmt, diesen Erfolg zu ermöglichen.“ (UNESCO, 1972)
Damit jedes Kind in einer elementaren Bildungseinrichtung eine Welt zur Entfaltung seiner Potentiale vorfindet, sind alle Verantwortlichen aufgerufen, für eine gute pädagogische Qualität zu sorgen.
Einen bedeutenden Anteil an einer entwicklungsfördernden Umwelt bzw. Atmosphäre hat das pädagogische Handeln der Pädagogin/des Pädagogen, indem sie/er mit jedem Kind eine tragfähige Beziehung aufbaut sowie Lern- und Bildungsprozesse zulässt, begleitet, initiiert und plant.
Der politisch geregelte Gesetzesrahmen, auch „Strukturqualität“ genannt, ist der andere wesentliche beeinflussende Faktor für eine gute pädagogische Qualität. In der Forschung wird dabei das „Eiserne Dreieck“ hervorgehoben, in dem auf jene drei Kriterien mit besonders bedeutungsvollen Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung verwiesen wird. Das sind Gruppengröße, Fachkraft-Kind-Relation, Qualifikation des Personals. Empfohlen wird beispielsweise bei 3-6-jährigen Kindern eine Gruppengröße von max. 20 Kindern und ein Fachkraft-Kind-Schlüssel von max. 1:10. Dadurch werden häufigere und längere Interaktionen zwischen Kindern und Erwachsenen mit höherem Niveau der Kommunikation, mehr Zeit für konstruktive Interaktionen, individuelle Zuwendung und entwicklungsangemesseneres Verhalten möglich.
Warum sind diese Erkenntnisse wichtig? In Abhängigkeit der Qualität in einem Kindergarten kann es bei Kindern zu einem Entwicklungsunterschied bis zu einem Jahr kommen. Dieser ist bis zum Ende der zweiten Grundschulklasse in Form von Schulleistungs- und Entwicklungsunterschieden beobachtbar.

Jänner 2019

Was gesagt werden muss …

Natascha J. Taslimi, Lehrende an der BAfEP8 Kolleg und PH Wien

Wertebildung braucht pädagogische Haltung und keine konstruierte Wirklichkeit. In der aktuellen 15a Vereinbarung sind Impulse für pädagogisches Handeln in Bezug auf Wertebildung im Kindergarten verbindlich angeführt. Wenn der Grundgedanke der Pädagogik in der Akzeptanz von Individualität festgelegt ist, stelle ich fest, dass einige im neuen Wertekatalog angeführte Praxisbeispiele dazu im Widerspruch stehen. Das Beispiel mit dem Tragen eines Kopftuches von Kindern im Kindergarten ist derart realitätsfremd und konstruiert dargestellt, dass es jeder ernsthaften Auffassung von Gleichwertigkeit, so heißt die Überschrift dazu, entbehrt. Wie vielen Kindern, die ein Kopftuch im Kindergarten aus religiösen Gründen tragen, sind Sie begegnet? Religiöse bzw. interreligiöse Bildung ist weder Inhalt des BildungsRahmenPlans und nur in wenigen elementaren Bildungseinrichtungen ein Thema, warum verbindlich für alle vorschreiben?
Wenn wir wissen, dass Kinder, die mit ihrem familiären Wertesystem in der Bildungseinrichtung wahrgenommen und akzeptiert werden, sich eher mit Werten und Normen anderer kritisch auseinandersetzen, braucht es eine dementsprechende pädagogische Haltung und entsprechende Rahmenbedingungen, damit das gelingen kann und keine konstruierten Wirklichkeiten.

Dezember 2018

Was gesagt werden muss …
Andreas Holzknecht, selbständiger Unternehmensberater mit Obhut – Beratungsservice für Kinderbetreuung

 

Kinderkrippen und Kindergärten sind Bildungseinrichtungen die einen wesentlichen Beitrag zu fairen Bildungschancen von Kindern leisten. So steht es auch in allen neun Kindergarten-Landesgesetzen. Allerdings glauben manche, dieser Auftrag soll mit Billigausstattung erreicht werden. Immer wenn es darum geht, dass Fachleute aus Praxis und Wissenschaft schon fast gebetsmühlenartig darauf hinweisen, dass die Grundausbildung von ElementarpädagogInnen endlich reformiert gehört, dass strukturelle Rahmenbedingungen, wie der Betreuungsschlüssel verbessert werden müssen, wird auf allen politischen Ebenen ebenso stereotyp gegenargumentiert, dass diese Forderungen unfinanzierbar wären. Dieser Umstand wird bei Entscheidungsträgern offenbar als unumstößlich hingenommen.
Es ist ein Affront, auf der einen Seite großartige Angebotsversprechungen zu machen, hohe Ansprüche an die Einrichtungen zu stellen, diese dann aber nicht mit den dafür notwendigen Ressourcen auszustatten. Um die daraus entstehende Dilemma-Situation zu lösen, schlage ich vor, die Angebote für Kindereinrichtungen ehrlich und transparent zu gestalten. Wer es weiterhin billig haben will, soll „Kinderbewahranstalten“ anbieten, die von „KinderwärterInnen“ wie um 1850 herum bedient werden. Wer aber tatsächlich Frühkindliche Bildungseinrichtungen anbieten möchte, soll die dafür notwendigen Qualitätsstandards auch bereitstellen und deren Finanzierung langfristig sicherzustellen.“

November 2018

Was gesagt werden muss …

Birgit Eder, Pädagogische Hochschule Tirol

Dass die Ausbildung der Elementarpädagoginnen und Elementarpädagogen in Österreich dringend reformbedürftig ist und zumindest auf akademisches Niveau angehoben werden müsste, um im internationalen Vergleich bestehen zu können, wird seit vielen Jahren diskutiert, eingefordert und von den politischen Entscheidungsträgern wieder ausgeblendet. Bis dato ist eine ernst zu nehmende Reform noch nicht erfolgt. Die neu eingerichteten Bachelor- Studiengänge der sieben anbietenden Pädagogischen Hochschulen werden offenbar von ausgebildeten Elementarpädagoginnen und Elementarpädagogen regelrecht gestürmt. Warum wohl? Es ist anzunehmen, dass sich viele Personen dieser Berufsgruppe durch ihre Ausbildung nicht gut genug gerüstet fühlen, dass sie sich durch dieses Studium eine bessere Basis für ihren Beruf erhoffen. Wären das nicht ausreichende Hinweise für die Bildungspolitiker/innen dieses Landes um endlich zur Kenntnis zu nehmen, dass es mit Reförmchen in homöopathischer Dosis im elementaren Bildungsbereich nicht getan ist, sondern dass es wirkliche Reformen dringend benötigt? Der Mut, den diese Bundesregierung gerade in anderen Bereichen kühn an den Tag legt, wäre hier dringend angebracht!

Oktober 2018

Was gesagt werden muss …

Raphaela Keller, Vorsitzende des ÖDKH

Das Bildungswesen in Österreich trägt noch immer nicht der Bedeutung der Elementarbildung Rechnung. Zu groß sind offensichtlich die Unterschiede des Wissens um die Notwendigkeit der „Bildung von Anfang an“ zwischen Praxis/ExpertInnen und der Umsetzung von Entscheidungstragenden.
Daher ist es enorm wichtig, dass viele, und noch mehr, Menschen und Organisationen gemeinsam öffentlich machen, was junge Kinder am Start ihrer Bildungslaufbahn brauchen und wie die Rahmenbedingungen in den Elementaren Bildungseinrichtungen Krippe, Kleinkindgruppe, Kindergarten und Hort für ALLE Beteiligten gestaltet sein müss(t)en.
Wir dürfen nicht müde werden unser gemeinsames Wissen, unsere Erfahrungen und unsere gemeinsamen Forderungen in die Gesellschaft zu tragen!

Oktober 2018

Was gesagt werden muss …

Andreas Paschon, Universität Salzburg, Vorsitzender der ÖFEB-Sektion Elementarpädagogik

Österreich hat im Bereich der Elementarpädagogik im internationalen Vergleich Aufholbedarf – nicht nur im Bereich von Professionalisierung und Akademisierung, sondern massiv im Bereich der Strukturqualität (Betreuungsrelationen, Vorbereitungszeiten, Vereinheitlichung von Gesetzen, Bundesrahmengesetz etc.). Relevante Entscheidungen sollten evidenzbasiert sein, d.h . man muss vorher wissen, wo man steht, erheben welchen Veränderungsbedarf es konkret gibt, welche Wirkung angedachte Neuerungen mit sich bringen und wie gut diese Innovationen und Implementierungen letztlich tatsächlich waren. Kurzum: um Reformen rechtfertigen zu können, braucht es in Österreich wissenschaftliche Begleitforschung und Evaluationen – und zwar auf allen Ebenen deutlich mehr und koordinierter als bisher.

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